Krieg 1939 - 1945
Die FF Neuenfelde Süd im 2. Weltkrieg
(von Helmut Holst nach Tagebuch-Aufzeichnungen seines Großvaters Heinrich Matthees)
Im Krieg 1939 - 1945 wurde die Freiwillige Feuerwehr Neuenfelde-Süd, vormals FF Nincop, auch im überörtlichen Brandschutz außerhalb der Gemeinde eingesetzt. Hierzu waren die Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg der Luftschutzpolizei unterstellt. Diese Organisation hatte im Jahr 1943 eine Sollstärke von 9.300 Mann. Unterstützt wurden die einzelnen Löschgruppen durch Jugendliche aus den sogenannten „Hitlerjugend-Feuerwehrscharen".
Die Kameraden der FF Nincop hatten sich bei Sirenenalarm an der Sammelstelle Gasthaus J.C. Bundt einzufinden und wurden telefonisch oder durch Kradmelder zum Einsatzort abkommandiert. Während eines Einsatzes in Hamburg ist das Löschfahrzeug der FF Nincop verlorengegangen. Im Raum Neuenfelde-Francop-Cranz sind viele Bomben unter- schiedlichster Art abgeworfen worden, wie Luftminen, Spreng- und Splitterbomben, Brandbomben und Brandplättchen.
Durch die Luftangriffe hatte Neuenfelde sowohl zahlreiche Menschenleben als auch eine Vielzahl von schweren Gebäudeschäden zu beklagen. Hierbei war die FF Nincop immer zur Hilfeleistung eingesetzt. Nach den Aufzeichnungen von Heinrich Matthees (Gründungs- mitglied der FF Nincop) fielen am 07. November 1940 die ersten Bomben auf Neuenfelder Gebiet und gingen auf dem Schulhof sowie bei der Mühle nieder.
Die Luftangriffe mit Gebäudeschäden, bei denen die FF Nincop eingesetzt wurde, begannen im Oktober 1941 mit einem Bombentreffer auf die Scheune von Johannes Hadler, Nincoper Straße, heute Hans-Heinrich Hadler. Am 17.01.42 wurden das Gasthaus Pien und der Nachbarhof Quast, heute Bernd Meinschien, komplett zerstört, auch verschiedene Nachbargebäude wurden schwer beschädigt. Bei diesem schweren Treffer fanden 5 Menschen den Tod.

Am 08.04.42 wurden in Francop die Schmiede Rehder und das Nachbarhaus von Nibbe total zerstört, anliegende Häuser wurden schwer beschädigt. In Cranz/Elbe gingen am 25.06.42 das Gasthaus Steenbock und der Nachbarhof Peters verloren.
In der Nacht des 03.02.43 erfolgte ein schwerer Angriff, dem in Neuenfelde 5 Wohnhäuser zum Opfer fielen. Es waren die Häuser von W. Stehr, heute Helmut Stehr, H. Heitmann, heute Bernd Ahlfeld, K. Wulf, heute Jürgen Wähling, J. Rademacher, heute Peter Meier, und W. Diercks, heute Werner Diercks. Die Neuenfelder Kirche verlor in dieser Nacht sämtliche Scheiben und auch in Francop wurden 2 Wohnhäuser zerstört.
Am 22.11.43 wurde in Francop der Hof von H. Behr, heute Erich Klindworth, total zerstört. Wie durch ein Wunder blieben die Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Hauses in einem Bunker Schutz suchten, unverletzt. Auch viele Nachbarhäuser wurden hierbei teils schwer beschädigt.
Das Haus der Familie Prange, heute Harald Prange, wurde nach einem Sprengbomben-Treffer am 13.12.43 komplett zerstört, wobei die Großmutter von H. Prange verschüttet wurde, glücklicherweise jedoch gerettet werden konnte.
Beim Übungsschießen der Luftabwehr wurde das Haus von Familie Rüter, heute Detlef Rüter, am 05.05.44 irrtümlich von einer Brandgranate getroffen und brannte ab.
In Moorburg und Hohenwisch entstanden bei einem Luftangriff am 06.10.44 erhebliche Schäden, wobei Francop am 25.10.44 erneut schwer getroffen wurde und den Verlust von mehreren Wohnhäusern und Scheunen tragen mußte.
Der 30.10.44 brachte wieder schwere Bombentreffer für Neuenfelde, nochmals das Gasthaus Pien und die direkten Nachbarn Hadler, heute Johann und Henry Hadler, Kühlke, heute Jürgen Rüther, Krefft, Quast, heute Bernd Meinschien und Stehr, heute Hermann Jonas.
Die nach den Aufzeichnungen letzten Gebäudeschäden im Kirchspiel Neuenfelde aufgrund von Luftangriffen erfolgten am 08.03.45 in Hohenwisch bei Maak und bei Röhrs, heute Quast und Heinbockel.
Bei den hier aufgeführten zwölf Ereignissen handelt es sich um Großeinsätze für die FF Nincop im eigenen Ausrückebezirk oder dem der Nachbarwehren, wobei zusätzlich, wie eingangs beschrieben, auch Einsätze im Hafen und anderen Hamburger Stadtteilen gefahren wurden.
Nach dem Buch „Feuersturm über Hamburg" wurde in den Jahren 1939 bis 1945 im Hamburger Stadtgebiet insgesamt in 778 Fällen Luftwarnung gegeben, davon erfolgten in 213 Fällen Flugzeugangriffe, die zu Großeinsätzen der Feuerwehr führten.
Aufzeichnung von 2003 zum hundertjährigen Bestehen der Wehr.
