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Runter vom Gas?

Runter vom Gas?

Warum „Runter vom Gas!“? Wie schnell ist schnell zu schnell? Und was sind die Folgen unangepasster Geschwindigkeit? Der folgende Artikel versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Zu schnell kann tödlich sein

25.04.2008 - Berlin
Sie wollen nicht zu spät zur Arbeit kommen, sie wollen noch kurz vor 20 Uhr im Supermarkt einkaufen, sie wollen die Kinder rechtzeitig zum Sport bringen oder ihre Clique beein­drucken. Sie – das sind viele Auto- und Motorradfahrer auf Deutschlands Straßen, die es viel zu häufig viel zu eilig haben. So zahlreich wie die vermeintlich guten Gründe, ein wenig mehr aufs Gas zu drücken, sind die dadurch verursachten Gefahren: Wer zu schnell unterwegs ist, spielt allerdings nicht nur mit seinem eigenen Leben.

5.000 Mal Tränen, Trauer und Wut – jedes Jahr

Jeden Tag lassen etwa 14 Menschen im Auto oder auf den Straßen ihr Leben. Rund 5.000 Menschen sterben so jährlich in Deutschland. Das sind 5.000 Beerdigungen, bittere Tränen, zurückbleibende Kinder, Frauen, Männer, Familien. Das Leid, das hinter den Zahlen steckt, ist unermesslich. Stille Zeugen der Tragödien sind die vielen, blumengeschmückten Kreuze, die an den Landstraßen stehen.

Die zurückgebliebenen Angehörigen wünschen, der geliebte Mensch hätte seinen Fuß vom Gas genommen. Oder in ihnen brodelt eine unbändige Wut, weil jemand anderes durch seine Fahrweise den Ehemann, die Freundin oder den Sohn in den Tod gerissen hat. Betroffen sind auch jene Menschen, die tagtäglich mit den schrecklichen Folgen von Unfällen konfrontiert werden: Rettungskräfte, Polizisten und Seelsorger.

Die Verkehrsteilnehmer aufrütteln

Nicht angepasste Geschwindigkeit nach wie vor eine der Hauptunfallursachen in Deutschland. Fast ein Drittel aller schweren Unfälle geht auf ihr Konto. Schon wenige Stunden­kilometer mehr oder weniger können dabei über Leben und Tod entscheiden: Bereits bei einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern verwandeln sich die Tonne Stahl eines durchschnittlichen PKWs in eine gefährliche Waffe.

Mit der Kampagne „Runter vom Gas!“ rufen das Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat daher alle Auto- und Motorradfahrer zu verantwortungs­vollem Fahren auf. Denn obwohl die Zahl der Getöteten seit Einführung der Statistik im Jahr 1953 kontinuierlich zurückgegangen ist, kann keine Entwarnung gegeben werden. Denn jeder Verunglückte ist einer zuviel.

Den Verkehrsopfern ein Gesicht geben

Plakate sowie Radio- und Fernsehspots machen auf die dramatischen Folgen von nicht angepasster Geschwindigkeit aufmerksam – sie sollen die Verkehrsteilnehmer aufrütteln. Die Motive zeigen Unfallwracks von Autos und Motorrädern. Die dargestellten Unfallfahrzeuge gehören Menschen, die durch Fehlverhalten im Straßenverkehr aus ihren Plänen und Träumen gerissen werden und stehen im Kontrast zu den glücklichen Lebenssituationen, die mit den Fahrzeugaufklebern wie „ABI“, „Just Married“ und „Baby an Bord“ angedeutet werden. Die Plakate sensibilisieren für das immense menschliche Leid der Unfallopfer und Verletzten, das hinter den anonymen Unfallzahlen steht. Die Plakate sollen die Verkehrsteilnehmer aufrütteln und zum Nachdenken über das eigene Fahrverhalten anregen.

Auch ein Radiospot macht den täglichen Spagat zwischen Besonnenheit und Leichtsinn deutlich: „Du bist höflich zu Schwergewichtsboxern. Du baust keine Schneemänner in Lawinengebieten. Du nimmst kein Strychnin zum Tee. Du springst nicht über Häuser­schluchten. Du picknickst nicht im Löwengehege. Warum fährst du zu schnell?“

Das richtige Tempo schützt doppelt

Es ist eine weit verbreitete Fehleinschätzung: Wenn ich mich an die Geschwindigkeitsbegrenzung halte, mache ich nichts falsch. Dabei entscheidet auch eine ganze Reihe von weiteren Faktoren, was die angemessene Geschwindigkeit ist. Nebel, regennasse Straße, überfrierende Nässe – der Fahrer muss Vieles im Blick haben und vor allem: Er muss angemessen darauf reagieren. Das heißt im Zweifel, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Das richtige Tempo trägt gleich doppelt zur Sicherheit im Straßenverkehr bei: Zum einen können bei niedriger Geschwindigkeit Fehler besser korrigiert und Gefahren noch abgewendet werden. Zum anderen sind die Folgen eines Unfalls in der Regel bei langsamerer Fahrt geringer.

Als besonders gefährlich erweisen sich Landstraßen: Die Straßenverläufe sind oft unüber­sichtlich, Hindernisse am Fahrbahnrand können erst spät erkannt und der Gegenverkehr beim Überholen übersehen werden. Besonders stark beeinflussen die Witterung und die stark variierenden Lichtverhältnisse die Sicherheit auf Landstraßen.

Dem Tod entkommen: Jeden Tag mehr als 1.000 Verletzte

Die Kampagne „Runter vom Gas“ zielt vor allem auf tödliche Unfälle. Dabei soll aber das Schicksal der rund 1.000 Menschen, die jeden Tag auf deutschen Straßen verletzt werden, nicht in Vergessenheit geraten. Sie sind zwar dem Tod entkommen, die Folgen des Unfalls reichen jedoch von kurzen aber schmerzhaften Behandlungen im Krankenhaus bis hin zu lebenslangen Beeinträchtigungen. Egal wie schlimm die körperlichen Verletzungen sind, fest steht: Einen Unfall vergisst man sein Leben lang nicht.

Schnell oder langsam – eine große Verantwortung

Jeder Fahrer trägt Verantwortung – für sich, aber vor allem auch für die anderen Verkehrsteilnehmer. Wer sich hinters Lenkrad setzt, muss sich klar machen: Ich kann Menschen großes Leid zufügen. Und von einer auf die andere Sekunde wird das mein Leben unumkehrbar verändern.

Diese Verantwortung wird vielen erst bewusst, wenn es schon zu spät ist: Wenn sie eine Schuld auf sich laden, die sie ein ganzes Leben lang schmerzlich begleitet. Leid und Verzweiflung, Trauer und Tränen lassen sich verhindern – durch eine bewusste und vorsichtige Fahrweise. Im Zweifel: Runter vom Gas!

Viele weitere Informationen finden Sie auf der folgenden Projektseite.